Eine Ausstellung des Archivs der Münchner Arbeiterbewegung

Wiedereröffnung der Ausstellung:
3. Dezember 2019 bis 11. Januar 2020, Kulturzentrum Trudering, Wasserburger Landstr. 32, immer Montag bis Samstag, 10 bis 20 Uhr

Arbeitsgruppe „Räterepublik“:
Dr. Bernward Anton, Günther Gerstenberg, Michael Wittmann, Wolfgang Kucera, Sebastian Werder, Dr. Felix Bellaire, Dr. Martin Rühlemann,
Gestaltung: Sandra Tamas Grafikdesign

Mit freundlicher Unterstützung von:
Landeshauptstadt München Kulturreferat


Zur Ausstellung:

München war die erste deutsche Landeshauptstadt, in der im November 1918 Revolutionäre die Monarchie stürzten. Und die letzte, in der im Mai 1919 die Rätebewegung niedergeschlagen wurde. Die dazwischen liegenden Monate waren angefüllt mit turbulenten, teilweise kuriosen und am Ende ausgesprochen gewalttätigen Ereignissen. Diese und die damit verbundenen Personen waren und sind hochgradig umstritten, zudem von zahlreichen Mythen und Halbwahrheiten umrankt. Schlagworte und Klischees bestimmten die Debatten meist mehr als Sachkenntnisse und Differenzierungsvermögen.

Anlässlich des 100-jährigen Revolutionsjubiläums zeigt das Archiv der Münchner Arbeiterbewegung eine Ausstellung unter dem Titel „Alltag und Erinnerung“.

Im ersten Teil stehen die Lebensumstände der so genannten „einfachen Menschen“ im Mittelpunkt. Ernährungs- und Wohnverhältnisse, der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und die völlig neue Demonstrationskultur werden dabei ebenso beleuchtet wie das politische Engagement der Frauen. Um das Panorama einer aufregenden und widersprüchlichen Zeit zu entfalten, reicht der Blick von der Unterhaltungskultur bis zur weitgehend vergessenen „Spanischen Grippe“.

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich der Erinnerung an die revolutionären Ereignisse, die im Verlauf von 100 Jahren eine erstaunliche Wandlung vollzogen hat. Die Entwicklung geht von der extrem polarisierten Erinnerungskultur der Weimarer Republik über die totalitäre Kontrolle der „Geschichtspolitik“ in der NS-Zeit bis zu den sensationellen Wendungen der jüngsten Vergangenheit. Das Gedenken an den revolutionären Ministerpräsidenten Kurt Eisner spiegelt diesen Prozess in konzentrierter Form wieder: Einst als gewaltbereiter „Bolschewist“ diffamiert, wurde Eisner inzwischen als Gründer des „Freistaates Bayern“ durch die bayerische Staatsregierung in aller Form anerkannt. Die Ausstellung lädt dazu ein, den Spannungsbogen zwischen den historischen Vorgängen und ihrer nachträglichen Interpretation kennenzulernen.