Daten zum lebensgeschichtlichen Interview

Name des Interviewten: Georg Zellner

Aufnahmedatum: 8. Dezember 1992

geführt von: Wolfgang Peschel

Dauer: 92 Minuten

Transkription: vorhanden, 18 Blatt

Signatur: AdMAB, Slg. Zeitzeugen, Interview Georg Zellner

Inhalt

Elternhaus und Kindheit

Georg Zellner, geb. 1905 in München;

Vater wuchs in Niederbayern auf; Arbeit in Landwirtschaft; Umzug nach München; Arbeit bei der Lagerinnung (Transportgewerbe); Freie Gewerkschaften;

Mutter stammte ebenfalls aus Niederbayern; In München Arbeit als Köchin;

Zweizimmerwohnung (mit Küche u. Toilette) in Ligsalzstraße (Westend); Kein eigenes Bad;

Kindheit im Arbeiterviertel Westend; Großteil der Arbeiter des Viertels war katholisch und besuchte sonntags Gottesdienst;

Volksschule (8 Klassen); Lernte leicht; Freude am Schulbesuch;

Mitgliedschaft im katholischen Jugendverein; Dort Spiele im Freien; Schachspiel;

Begehen der Feiertage in der Arbeiterfamilie;

Schneiderlehre und Arbeit als Schneidergeselle

Zunächst Beginn einer Lehre als Mechaniker; Schlechter Lehrplatz; Erkrankung; Abbruch der Ausbildung;

Lehre als Schneider; Guter Ausbildungsbetrieb; Besuch der Fachschule; Mangel an Textilien;

Als Schneidergeselle Arbeit in vornehmen Geschäft in Maximilianstraße (Fa. Fries); Tätigkeit als sog. Stückeschneider; Akkordarbeit; Geringes Verdienst;

Später Arbeit bei Schneidermeister in der Lindwurmstraße;

Gesellschaftliches und politisches Engagement

Bei christlicher Gewerkschaft organisiert („Verband Christlicher Bekleidungsarbeitnehmer“); Ehrenamtliches gewerkschaftliches Engagement;

Unter den Arbeitskollegen in den kleinen Handwerksbetrieben/Schneidereien, in welchen Zellner beschäftigt war, keinerlei Auseinandersetzungen zwischen sozialdemokratischen und christlichen Gewerkschaftern; In Großbetrieben wirkten sich die politischen Gegensätze stärker aus;
Ansicht Zellners bereits in 1920er Jahren, dass sich die Richtungsstreitigkeiten und Auseinandersetzungen der Gewerkschaften ausgesprochen nachteilig auswirkten;
Daher begrüßte Zellner die Bildung einer Einheitsgewerkschaft nach 1945;

Engagement bei Kolping-Verein St. Rupertus;

Freizeitaktivitäten

Begeisterter Bergsteiger und Skifahrer; Sonntägliche Bergtouren;
Ausflüge in Badeanstalten an heißen Sommertagen;
Gelegentliche Kinobesuche;
Nach Gründung einer Familie Einstellen vieler Freizeitaktivitäten aus Kostengründen;

Markante Erlebnisse zur Zeit des Ersten Weltkrieges

Hunger als einprägsamste Erfahrung des Ersten Weltkriegs; Lebensmittelmarken; „Gestrecktes“ Brot; „Strecken“ der Pfannkuchen mit gekochten Kartoffeln durch Mutter;
Hamsterfahrten“ nach Niederbayern (Bekanntschaft der Eltern zu dortigen Bauern);

Markante Ereignisse zur Zeit der Weimarer Republik

Rätezeit 1918/19: Kollege des Vaters schloss sich „Roten Armee“ an; Kaum Kämpfe im Westend; Seelsorgerisch Betreuung der verwundeten Rotarminsten durch Benefiziat Stadler;

Inflationszeit: Wöchentliche Auszahlung der Löhne; Dennoch war Verdienst am Ende der Woche bereits annährend „wertlos“; Ständige Tarifverhandlungen; Kurzzeitige Arbeitslosigkeit; Florieren des Tauschhandels; Währungsreform und Einführung der Rentenmark;

Antisemitismus zu Zeiten der Weimarer Republik;

NS-Bewegung: Kapp-Putsch; Hitler-Putsch; SA und SS; Wehrsport; Versäumnisse des Staates, sich gegen militaristische Tendenzen zur Wehr zu setzen; Finanzielle Unterstützung der NS-Bewegung durch das Privatkapital/Kohlensyndikat; Ursachen des Erstarkens der NS-Bewegung; 1933 Auflösung der Gewerkschaften;

Arbeit in Industriebetrieben

Arbeitsplatzwechsel in Kleiderfabrik aufgrund besseren Verdienstes; Modellschneider; dann Industriemeister;

1933 bis 1947 Arbeit in Kleiderfabrik Lodenfrey; In diesem Zeitraum für 2 Jahre beim Militärdienst;

Gründung einer Familie

Spätere Ehefrau Zellners war in Gewerkschaftsjugend organisiert; Treffen meist an Wochenenden oder bei Gewerkschaftsversammlungen; Ausflüge; Spaziergänge;
1933 Heirat; Ablauf der Hochzeit;
3 Töchter;

Gewerkschaftsarbeit nach dem Krieg

In Nachkriegszeit hauptamtlich bei Gewerkschaften beschäftigt;